Learning Analytics in der beruflichen Weiterbildung

8. Juni 2012 § 2 Kommentare

Folgende Gedanken beziehen sich auf eine von mehreren möglichen Fragen nach der Verortung von Learning Analytics (LA) im Bereich der beruflichen Weiterbildung. Sie erheben keinen Anspruch an Vollständigkeit.

Bei der Betrachtung ziehe ich ein Phasen-Modell aus dem Bereich des Bildungscontrollings heran, das auch – was im Kontext Weiterbildung und LLL immer wieder vorkommt (vgl. aktuell hier) – ökonomische Aspekte berücksichtigt.

In Anlehnung an Seeber [1] werden in klassischer Betrachtungsweise folgende Komponenten des Bildungscontrollings differenziert:

  1. Ziel-Controlling
  2. Bedarfs-Controlling
  3. Input-Controlling
  4. Prozess-Controlling
  5. Output-Controlling
  6. Transfer-Controlling
  7. Outcome-Controlling

Dabei liegen die Komponenten 1. und 2. im sogenannten „Vorfeld“, 3. bis 5. im „Lernfeld“ und 7. und 8. im „Funktionsfeld“ des Gesamtprozesses [2]. Aus Gründen der Umfangsbeschränkung möchte ich mich auf die Komponenten 4.-6. beschränken. Es ist anzunehmen, dass zunächst LA im Prozess- und Output-Controlling verortet werden kann, womit ich meine: Wenn man LA in den Gesamtprozess integriert, dann wird man wohl zunächst dort beginnen. Kern des Prozess-Controllings sind nämlich die Eigenschaften des Lehr-Lern-Arrangements, die Ausgestaltung des Curriculums, die Trainer-Teilnehmer-Kommunikation und weitere typische Merkmale des Lehr-Lern-Prozesses im engeren Sinne. In einem Blended Learning-Szenario würde hier die Nutzung eines Lernmanagement-Systems (LMS) einbezogen sein und Stephan Göldi hat in seinem Blogbeitrag anschauliche Beispiele von LA-Ansätzen in einem LMS aufgezeigt.

Und auch für das Output-Controlling bieten moderne LMS bereits gute Möglichkeiten, bezieht sich diese Komponente des Bildungscontrollings u. a. doch auf die quantitative (sic!) Ermittlung des Lernerfolgs, die sich eben mitunter via (Online-)Tests ermitteln lässt. Entsprechende Messresultate können mit Zielsetzungen verglichen werden, Teilnehmer können hier untereinander verglichen werden und bei entsprechend komplexen Testverfahren läßt sich durchaus auch der Qualifikationszuwachs eines Lerners ermitteln, obgleich dies wesentlich schwieriger ist.

Im Kontext der beruflichen Weiterbildung ist nun aber – u. a. – die nächst folgende Komponente äußerst wichtig: Das Transfer-Controlling. Dabei geht es um die Übertragung (Transfer) und Umsetzung des Gelernten in die „Sphäre Arbeitsplatz“. Dieser Transfer kann bereits in der Planungsphase eines Weiterbildungsprojektes mit berücksichtigt werden, vor allem kann er aber auch nach der „Seminar-Phase“ evaluiert werden. Derartige Transferanalysen sind in Deutschland noch nicht so weit verbreitet, im angelsächsischen Raum stehen sie zuweilen im Sinne eines „Returns der Investition Weiterbildung“ im Fokus. LA könnte hier in der Zukunft eine Art Brücke bilden, so dass die gesamte Ausgestaltung von beruflichen Weiterbildungen sozusagen „LA-gestützt“ zu einem höheren Transfererfolg führen könnte.-

Grundsätzlich begrüße ich LA für die berufliche Weiterbildung. Ein wesentliches Segment der beruflichen Weiterbildung bilden in der Praxis Unternehmen mit kleinerer und mittlerer Unternehmensgröße (KMU). KMU haben hinsichtlich einer „institutionalisierten“ Personalentwicklung Nachteile aufgrund ihrer Größe, so dass LA-Tools hier eine gute Unterstützung bieten könnten. Natürlich müssen solche LA-Tools gehandhabt, also administriert, verstanden und gepflegt werden.

Aspekte des Datenschutzes müssen natürlich mit Bedacht berücksichtigt werden. Im Rahmen der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema macht es meiner Meinung nach jedoch durchaus Sinn, diese nicht gleich an erster Stelle zu beleuchten. In der praktischen Arbeit der beruflichen Weiterbildung kommen sie nämlich früh genug: durch Interventionen der Betriebsräte. Damit berufliche Weiterbildung mit digitalen Medien funktioniert, müssen hier immer fundierte Pro-Argumente für deren Einsatz geliefert werden, das war früher schon u. a. hinsichtlich der Log-Files so und Vorbehalte bei modernen LA-Tools werden da ganz sicher auch kommen, mit guten Argumenten für den Einsatz muss man also in jedem Falle gerüstet sein. Selbstverständlich beinhaltet dies auch Maßnahmen und Vereinbarungen zur Einhaltung diverser Datenschutz-Gebote.

Oliver Basel

[1] Seeber, S.: Stand und Perspektiven von Bildungscontrolling, in: Seeber, S.; Krekel, E. M.; Buer v. J. (Hrsg.): Bildungscontrolling – Ansätze und kritische Diskussionen zur Effizienzteigerung von Bildungsarbeit, Frankfurt am Main, 2000, S. 35 ff.
[2] Dieses Modell stellt m. E. nach sicherlich eine Idealvorstellung dar, welche in der Weiterbildungs-Praxis zumeist nur angenähert verwirklicht wird, dennoch ist es ein guter Bezugsrahmen.

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Game Based Learning in der beruflichen Weiterbildung

29. Mai 2012 § Ein Kommentar

Auf den Themenabschnitt Game Based Learning (GBL) des OPCO12 sind im Folgenden einige Gedanken im Zusammenhang der beruflichen Weiterbildung verfasst. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.[*]

Grundsätzlich lassen sich m. E. sinnvolle Ansätze und Möglichkeiten für GBL-Szenarien in der beruflichen Weiterbildung finden. Und einige Beiträge in diesem Themenabschnitt verweisen auch schon auf interessante Anwendungsbeispiele – die Fundstücke von improweise sind hier eine interessante Quelle. Hierbei fällt hinsichtlich Qualität und Ausleuchtungsbreite besonders die Master Thesis von Marlies Auer auf, die unter dem Haupttitel „Lara Croft meets Nicolai Grundtvig“ eine umfassende Arbeit über Computerspiele und computerbasierte Lernspiele in der Erwachsenenbildung verfasst hat. Die Autorin geht dabei auch auf eine Dimension von GBL ein, die in der beruflichen Weiterbildung nicht erst seit wenigen Jahren eine besondere Bedeutung hat: Simulationen. Dabei betrachtet sie die Simulation als ein Abbild der Realität im Sinne eines Modells. Die Realität wird in einem Modell in Form eines Abbildes „dargestellt“, welches die Realität vereinfacht, komprimiert und abstrahiert. Simulationen im Kontext sind u. a. sogenannte Planspiele und die Planspiele der TOPSIM-Reihe sind hierzu beispielhaft. Ein wesentliches Modell-Merkmal sei jedoch nicht ausgeblendet, nämlich die Verkürzung: Ein Modell erfasst nur Merkmale von Systemen, die dem Modellentwickler wesentlich erscheinen. Die sogenannte „Vollpraxis“ sieht dann doch oft bekanntlich eben anders aus – und dennoch: GBL kann in der beruflichen Weiterbildung den Übergang von Theorie und Praxis erleichtern, zuweilen Praxisschocks in unterschiedlichen Berufs- und Wissensfeldern vermeiden oder beherrschbar machen und nicht zuletzt sinnvolle Paradigmen der „Theoriewelt“  in die „Praxiswelt“ implementieren und pflegen (die Schwelle von der Vollpraxis zur Vollidiotie ist ja sonst zuweilen fließend – man möge mir diese Formulierung bitte nachsehen).

Auch wenn Bücher wie „Digitale Lernwelt – Serious Games. Einsatz in der beruflichen Weiterbildung“ einen guten Einstieg in das Thema bieten, ist der Hinweis auf das D (digital) vor dem GBL nicht ganz unwichtig, denn: Die Spiele oder Simulationen oder Simulationsspiele müssen ja nicht per se unbedingt digital sein. So wurden schon Ende der 70er Jahre anschauliche Wirtschaftslernspiele produziert, die man durchaus auch in Bildungseinrichtungen als Lern-Medien hätte einsetzen können, auch wenn Spiele wie bspw. „Playboss“ („Unternehmensplanspiel“) doch dann eher für den reinen Freizeitspieler ausgerichtet waren. Wesentlich ernsthafter in der beruflichen Weiterbildung waren und sind da die sogenannten (zumeist kaufmännischen) Übungsfirmen. In einer guten Übungsfirma wird eine „richtige Firma“ simuliert, und dies eben nicht nur digital, sondern mit Büroräumen, Produktdarstellungen, Geschäftsverkehr und vor allem: mit betrieblichen Geschäftsprozessen, welche im Optimalfall äußerst nahe an der Realität liegen. (Beste Übungsfirmen sind dann als solche zunächst gar nicht zu erkennen, man hat den Eindruck, dass man in einem realen Betrieb ist.) Anwendungsspezifische GBL-Software ist sicherlich gerade in solchen Übungsfirmen sehr gewinnbringend.

Die im Blogbeitrag von brainbits genannten Aspekte zu Train the Trainer-Notwendigkeiten sind auch für die berufliche Weiterbildung zu unterstreichen. In entsprechenden Fort- und Weiterbildungen sollten die Trainer einerseits auf GBL-Software „sensibilisiert“ werden, die frei und zunächst bewusst konzeptlos (spielerisch) getestet werden sollte. Andererseits lohnt sich die Bildung von Pilot-Szenarien, die dabei durchaus auch Trainer als Teilnehmende (Lerner) platziert haben können. Solche Pilot-Kurse sind zwar mit Aufwendungen verbunden, aber ohne solche Piloten können bestimmte GBL-Einsätze erst gar nicht bewertet und selektiert werden. Gerade Bildungseinrichtungen mit Angeboten der beruflichen Weiterbildung müssen hier eine gewisse Balance zwischen freiem Testen durch Trainer und gesteuertem Implementieren sinnvoller GBL-Software durch die Organisationsleitung finden, die m. E. für beide Seiten einfacher ist, wenn die GBL-Software zu Beginn Web 2.0-basiert ist und damit im Browser läuft.

Oliver Basel
[*]: Die Vollständigkeit ist alleine deshalb nicht vorhanden, da ich aus Gründen der zeitlichen Beschränkung hier (zunächst) nicht auf den Aspekt der Motivation, insbesondere: Lern-Motivation eingehen möchte. Dass dieses Themenfeld im Kontext GBL eigentlich ausgeleuchtet werden müsste, hat sich in der Online-Session v. 23. Mai 2012 zum Themenkomplex gezeigt (auch in den Chat-Beiträgen). Ich habe zuweilen den Eindruck, dass die Erziehungswissenschaften der Gegenwart deutlich weniger zur Lern-Motivation fundiert liefern, als man das gemeinhin so vermuten würde. Und dass man den Eindruck haben kann, dass dagegen (zuweilen überraschenderweise) sogar die Wirtschaftswissenschaften der Gegenwart die Motivations-Aspekte viel mehr ausleuchten, möchte ich nur an dieser Stelle behaupten – einen Beleg für diesen Eindruck liefere ich später gerne nach, auch wenn dieses „später“ erst auf der Abschlusstagung in Ffm. im Juli sein sollte.

Tablets in der beruflichen Weiterbildung

16. Mai 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Meines Erachtens ist die Integration von Tablets in der beruflichen Weiterbildung in bestimmten Szenarien denkbar und sinnvoll. Dabei können u. a. folgende Verwendungsarten unterschieden werden:

  • Tablet-User nutzt Apps: Bei dieser Variante liegt der Unterschied zur Nutzung eines Smartphones wesentlich in der Bildschirmgröße. Der Lernende nutzt also dieselben Apps, die er auch auf seinem Smartphone installieren kann. Die Apps können themenspezifisch Lerninhalte und -übungen beinhalten. Jedoch sind auch Apps vorstellbar, die aus Darstellungsgründen ein größeres Bildschirmformat brauchen und somit nur auf Tablets „passen“ und auf Smartphones nicht. Interessant ist hier sicherlich auch, ob Tools zur Eigenerstellung von Apps diesen Format-Aspekt gezielt berücksichtigen.
  • Tablet-User nutzt Browser: Hier nutzt der Lernende den Internet-Browser auf dem Tablet. Diese Variante bietet die üblichen Zugänge auf WBTs, offene oder geschützte Plattformen wie Wikis oder Lernmanagementsysteme. (Gerade Erfahrungen mit ILIAS oder Moodle auf einem Tablet sind interessant.) Abgesehen vom Kontext diverser Lehr-Lern-Arrangements könnten Tablets zukünftig auch gewisse Vorteile in betrieblichen Wissensmanagement-Szenarien haben, dies ist jedoch ein anderes (wenn auch hier verzahntes) Thema.
  • Tablet-User nutzt E-Books: Für E-Books erscheinen mir Tablets viel besser geeignet als Smartphones. Häufig sind E-Book-Formate ähnlich „geschlossen“ wie Apps, laufen also nicht im klassischen Browser, aber die E-Books sind hier zumeist auf Tablets und auf PCs nutzbar. Innovativ sind sicherlich Entwicklungen wie die „Blended Book-Lösungen“, auf die im WsW-Blog verwiesen wird.

Die Beschreibung o. g. Verwendungsarten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie können in unterschiedlichen Szenarien zum Einsatz kommen. Neben üblichen Szenarien, die vergleichbar den „klassischen“ PC- oder Notebook-Einsätzen  gestaltbar sind, sehe ich einen wesentlichen Unterschied im „Device Einsatz Tablet“ bei den Trainings-Varianten…

…Training-on-the-job und

…Training-near-by-the-job.

Im Gegensatz zu Trainings-off-the-job handelt es sich bei diesen Varianten jedoch nicht um Workshops, Kurse oder (Blended Learning-) Seminare. Vielmehr geht es bspw. um Unterweisungen am Arbeitsplatz, Projektgruppenarbeit, Qualitätszirkel, Mentoring etc.
O. g. unscharfe Grenze zwischen Training und Wissensmanagement kommt hier also zur Geltung. In diesen Varianten kann das Tablet „dabei sein“ ohne „aufzutragen“, es kann „einfach mitgenommen werden“, in bestimmten Phasen kann auf Content „im Tablet“ verwiesen werden, zum Beispiel kann der Mentor und Lernende im Gesprächsverlauf auf Projekt-Wikis zugreifen, die situativ Referenz-Fälle multimedial off- und online vorhalten und erklären. (Die hin und wieder geäußerten Bedenken hinsichtlich WLAN-Bereitstellungen sind nach meiner Erfahrung übrigens im beruflichen Kontext viel geringer als in Schulen.) Auch diese Betrachtungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich möchte abschließend auf zwei Quellen verweisen, die unmittel- und mittelbar im Zusammenhang des „Device Einsatz Tablet“ in der beruflichen Weiterbildung stehen und sehr lesenswert für „unseren OPCO12-Kurs“ sind:

Weitere Gedanken folgen.

Oliver Basel

Vom Tablet zum BYOD-Paradigma

10. Mai 2012 § 3 Kommentare

Die Live Session Tablet Computing v. 09. Mai des OPCO12 finde ich sehr gelungen. Ich teile die Auffassung von Herrn Wegener, dass sich Tablets sehr gut für WBTs eignen. In einem späteren Blog-Beitrag möchte ich darauf noch etwas näher eingehen. Übrigens halte ich diese Eignung für WBTs für eine interessante, jedoch auch für eine gleichermaßen „unaufgeregte“ Eigenschaft der Tablets. Ich hatte ein wenig den Eindruck, dass diese Gelassenheit auch von Herrn Wegener geteilt wird.

Die Statements von Herrn Prof. Döbeli Honegger waren äußerst interessant, insbesondere seine These in Richtung des BYOD-Ansatzes. In Zukunft komme es also gar nicht so sehr auf das Device an sich an, sondern auf die 1:1-Ausstattungen und das BYOD-Paradigma.

Auch die Kommentierungen (Chat) der Live Session Tablet Computing sind inspirierend, jedoch fehlen mir noch zwei Aspekte, die (zwar) technisch sind, aus denen jedoch weitere Fragestellungen resultieren:

  • Aspekt 1: Tablets basieren auf dem App-Ansatz. Insofern sind sie zum Teil schlicht ein größeres Smartphone. Die Anschlussmöglichkeit einer externen Tastatur täuscht darüber hinweg, dass das Arbeiten (abgesehen innerhalb eines Browsers) mit einem Tablet sich gänzlich vom PC unterscheidet. Apps sind an sich voneinander sehr geschlossene Anwendungssysteme, die nur äußerst gering miteinander verknüpft, geschweige denn verzahnt sind (im Vergleich: Eine Office-Büroanwendung ist sehr verzahnt zu anderen Anwendungssystemen). Vielleicht sollte man diesen Aspekt etwas weiter ausleuchten.
  • Aspekt 2: Unter dem „Marketing-Zauberwort“ „Retina-Display“ verwendet ein bekannter Hersteller bei seinem Tablet offenbar die In-Plane-Swichting-Technik, welche objektiv belegbar eine überdurchschnittliche Monitor-Qualität mit sich bringt. Diese hohe Bildschirmqualität war bislang bei Tablet-ähnlichen Geräten so nicht vorhanden und stellt m. E. nach einen der Hauptgründe für den Verkaufserfolg dieser Devices dar. Und es sind eben nur wenige Hersteller, deren Tablets an diesen Qualitätslevel heranreichen, diese sind relativ teuer und ich habe bislang irgendwie nicht den Eindruck, dass da ein bedeutsamer Preisverfall abläuft – das kann in Zukunft aber noch kommen. Dieser Aspekt ist sicherlich relevant für die weitere Durchdringung der Tablets in Bildungseinrichtungen.

Noch mal zu den Darstellungen von Prof. Döbeli Honegger in der Live Session: Ich war positiv von seiner kritischen und kontroversen Haltung zu dem Gesamtkomplex überrascht, da ich aufgrund des Lektüre-Materials des OPCO12 (diese Zusammenstellungen sind übrigens alle sehr gut gelungen) bei seinen Darlegungen des Projektes „Projektschule Goldau“ mit einem gewissen Vorurteil die Live Session Aufzeichnung mir angesehen habe. Da erschien mir die ein oder andere Stelle – mit Verlaub – etwas „glorifiziert“. Mein Eindruck war jedoch nicht korrekt. Es sei dennoch auf eine Passage innerhalb der Projektseiten verwiesen, in der es heißt:

„Ob iPad, iPhone oder iPod touch ist schlussendlich auch irrelevant; die Hauptsache ist, dass die Schule den Schritt ins 21. Jahrhundert nicht um Jahrzehnte verpasst und dadurch vergilbt, verstaubt, vermodert, vertrocknet…“

Hierzu sei von mir angemerkt, dass es durchaus auch sinnvoll ist, wenn Schülerinnen und Schüler auch gegenwärtig einmal historische Bibliotheken besuchen sollten, auch wenn diese vergilbt, verstaubt, vermodert und vertrocknet sein sollten. 🙂

Das eine schließt natürlich das andere nicht aus.

Oliver Basel

Mobile Apps in der beruflichen Weiterbildung

3. Mai 2012 § 3 Kommentare

Das Posting „Eine Systematik des mobilen Lernens? (vor allem im (Hoch)schulbereich)“ von Claudia Bremer inspiriert zu einer Übertragung einiger Aspekte auf den Bereich der beruflichen Weiterbildung. Die im Posting aufgeführte Unterteilung der inneruniversitären und außeruniversitären Nutzung verleitet auf die Spiegelung der Inhouse-Seminare und Seminare in der Weiterbildungseinrichtung. Doch spätestens hier entstehen Zwischenfragen und es schillert ein zentraler Unterschied zwischen Hochschule und beruflicher Weiterbildungseinrichtung durch.

Die Zwischenfrage meinerseits ist, von welcher Studierendenzahl eigentlich in der Diskussion in den Veranstaltungen i. d. R. ausgegangen wird. Geht es um kleinere Seminare mit einer überschaubaren Anzahl oder um große Vorlesungen mit über 50 und zuweilen bis zu 200 Studierenden? Die Vorstellung des TED-Systems ARSnova führt bei mir zum Eindruck, dass es derzeit noch nicht so hoch skaliert ist, die Skalierung nach oben aber gewünscht ist. [Dieses TED-System wäre übrigens doch ein interessantes Testtool für die OPCO12-Abschlussveranstaltung in Frankfurt am Main.]

Ein m. E. zentraler Unterschied zwischen Hochschule und beruflicher Weiterbildungseinrichtung ist der, dass es bei der beruflichen Weiterbildung im Schnitt immer um relativ kleinere Gruppen geht. 12-20 Teilnehmende ist dabei eine ganz gute Bezugsgröße. Insofern lassen sich Hochschul-Szenarien keinesfalls einfach auf die berufliche Weiterbildung spiegeln.

Bezugnehmend auf meinen Kontext Blended Learning muss zwischen Präsenz- und Web-Phase unterschieden werden. Ist es denkbar, dass 15 Seminar-Teilnehmende in einem Seminarraum sitzen, keine der Personen ein Note-/Netbook dabei hat, aber alle ein Smartphone? Bei gezielter Planung: Ja! Denn es könnte eben das Konzept eines solchen Seminars sein, dass die Web-Phasen durch Mobile Apps unterstützt werden und in der ersten Präsenzphase die Teilnehmenden auf die Nutzung betreffender Apps vorbereitet und geschult werden. Der Bereich, der in der beruflichen Weiterbildung als Anwendungsdomäne immer zuerst gedanklich erscheint ist der Fremdsprachenbereich. Der Software-Markt bietet hier auch schon erste Produkte (kostenlose und kostenpflichtige finden sich auf z.B. auf Google Play). Hervorzuheben sind hier Vokabeltrainer-Applikationen (z. T. mit Vollvertonung). Diese lassen sich sehr praktisch dann in den Web-Phasen mobil und zeitunabhängig nutzen. Das Konzept eines entsprechenden Seminars wäre aber dann genau falsch, wenn es den Besitz eines Smartphones als Grundvoraussetzung setzt und der PC/das Notebook nicht als Substitut verwendet werden kann. Das bedeutet, dass in der Praxis bei entsprechenden Mobile Apps immer zu prüfen ist, ob derselbe Content auch via Webbrowser oder PC-Applikation zur Verfügung gestellt werden kann.

Jenseits des Fremdsprachenbereichs (u.a. Software, BWL, Soft Skills…) sind entsprechende Möglichkeiten noch zu finden. Dabei habe ich den Eindruck, dass Erfahrungen aus dem Hochschulwesen in die berufliche Weiterbildung getragen werden können[*]. Mein bereits an anderer Stelle gegebener Hinweis auf die Datenbank-Lern-App der FH Köln sei hier nochmals angeführt – jedoch nicht ganz unkritisch: Auf zwei unterschiedliche Android-Mobilendgeräte habe ich die App installiert. Bei einem Gerät funktionierte sie gar nicht, bei dem anderen funktionierte nur der Wiki-Bereich (ich gebe aber nicht auf und werde da nochmal nachfassen). Fakt ist, dass exakt solche Apps auch für die berufliche Weiterbildung relevant sind und sich in Blended Learning Konzepte gut integrieren lassen.

Oliver Basel
[*] Und hier bin ich selbst ein Lernender und muss mir eine App-Sammlung anlegen: Wer entsprechend des Kontextes berufliche Weiterbildung gute Apps kennt, diese selbst getestet hat, der möge diese mir doch als Kommentar zu meinem Posting benennen. Dankeschön!

Mobile Apps und Blended Learning

24. April 2012 § 2 Kommentare

Mich hat es etwas beruhigt und gleichzeitig Fragen aufgeworfen: Der nicht nur mir aufgefallene Aspekt der MMB Trendstudie hinsichtlich der Bedeutung des Blended Learning: Nach wie vor steht diese Bedeutung sozusagen auf Platz 1.

Es ist deshalb beruhigend, weil diese Bedeutung schon vor über 10 Jahren so hoch war. Insofern kann es wohl kein Fehler aus Anbieter-Sicht sein, wenn man im Bereich der Weiterbildung im Zusammenhang mit E-Learning auch heute noch auf Blended Learning-Konzepte setzt. Ein für mich maßgeblicher Grund für die Stärke entsprechender Konzepte war und ist die Möglichkeit der didaktischen Verzahnung. Präsenz- und Web-Phasen lassen sich insbesondere durch die Lehrkräfte (Dozenten, Trainer) aktiv so miteinander verzahnen, dass selbst relativ „E-Learning ungeübte“ Lerner eine Orientierung über die (anstehenden) Web-Phasen noch im Präsenzunterricht erhalten können. Gleichzeitig wird ein Paradigma des „guided learning“ ermöglicht, das in reinen Web-Learning-Arrangements ohne Präsenz einfach nicht in einer ausreichenden Qualität (oder Intensität?) geboten werden kann. Diese Erfahrung habe ich nicht nur als Anbieter gemacht, sondern auch als Teilnehmer.

Unter den aufgeworfenen Fragen sind aber die folgenden: Hat sich in den letzten 10-12 Jahren so wenig getan, dass immer noch Blended Learning so „präsent“ ist? Sind es etwa nur Nischen-Bereiche, die mit 100%-Web-0%-Präsenz-Arrangements agieren? Ist es irgendwie auch ein wenig „bequem“, wenn man auf Blended Learning setzt, weil man einfach die Vorzüge von Klärungsarbeiten in Präsenzphasen nicht missen möchte und alternative Aufwendungen (welcher Art auch immer) in reinen Web-Konzepten meidet? Diese Fragen möchte ich zunächst im Raum stehen lassen…

…und bleibe bei Blended Learning, ergänze dies nun durch Mobile Apps.

Meine zentrale Fragestellung lautet dabei: Wie lassen sich Mobile Apps in Blended Learning-Konzepte integrieren?

Das Schema Präsenz-Web-Präsenz-Web… könnte vielfältig mit den Mobile Apps agieren. Denkbar ist, dass die Web-Phase zwar noch Netz-gestützt ist, alles aber eben durch eine raffinierte App „läuft“, d. h.: Eine App, welche Content liefert. Präsenz-App-Präsenz-App…? Einfach mal ein konkretes Beispiel: Eine kleine Seminargruppe (muss nicht Hochschule sein, kann auch berufliche Weiterbildung sein) befasst sich mit Datenbankgrundlagen, insbesondere SQL. Trainiert werden sollen SQL-SELECT-Statements, die praxisbezogene Abfragen anhand verschiedener Fallbeispiele (Übungsfirmen) beinhalten. Die Lerner sollen diese Abfragen einüben können, nachdem sie von der theoretischen Seite dazu unterrichtet wurden. Ohne jetzt hier ein komplettes Blended Learnig Szenario zu konstruieren, möchte ich auf das Angebot der FH Köln hinweisen: edb – Das eLearning Datenbankportal.  Dort werden u. a. praxisnahe ERM-Modelle mit Übungsdaten vorgehalten. Und es gibt seit einiger Zeit eine Android-APP, welche diverse Lernanwendungen ermöglicht. (Hardware-Aspekte sind aber relevant, die APP läuft nicht auf jedem Android-Smartphone, dies aber nur nebenbei erwähnt.) Mit dieser APP können Abfragen eingeübt werden, für die man schlichtweg keinen PC benötigt, das Einüben kann jederzeit erfolgen und ist bequem mit dem Smartphone aus machbar. Sicherlich noch ausbaufähig. Aber ein meines Erachtens hervorragendes Beispiel für raffinierte Lern-Apps, die sich in Blended Learning-Arrangements integrieren lassen.

Weitere Gedanken folgen.

Oliver Basel

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